Kaninchen



ERNÄHRUNG

Kaninchen sind Spezialisten was das Futter angeht. Sie sind darauf spezialisiert, karge, raufaserhaltige Nahrung gut zu verwerten. Kaninchen sind Herbivoren, das heißt, dass sie nur pflanzliche Nahrung zu sich nehmen (die ein oder andere Raupe auf dem Blatt ausgeschlossen) und eher weniger reichhaltige Sämereien oder Wurzeln. Dabei fressen sie größtenteils die Blätter und Triebspritzen der Pflanzen und nur in nahrungsarmen Zeiten die Stengel und Rinden der Pflanzen, weshalb man sie innerhalb der Herbivoren zu den Foliovoren zählt (Rühle und Küpfer; 2010). Die Kräuter bzw. Blätter werden gut zerkaut, wobei die Zähne durch das Zerkauen der zellulosehaltiger Nahrung abgerieben werden. Der Nahrungsbrei gelangt dann durch den Magen und schließlich in den Blinddarm. Dort wird die energiearme Masse durch Bakterien zersetzt und es entstehen für das Kaninchen wertvolle Fettsäuren, zudem wird dort der Blinddarmkot hergestellt. Da dieser nicht mehr durch den Verdauungskanal gelangt, wird er ausgeschieden und direkt wieder aufgenommen. So gelangt das Kaninchen zum Beispiel an B-Vitamine (Drescher; ). Wichtig ist außerdem, dass Kaninchen wegen ihrer pflanzlichen Kost einen Stopfmagen haben. Damit die unverdaulichen Bestandteile (und der Blinddarmkot) ausgeschieden werden können, muss das Kaninchen essen. Es muss also immer Nahrung zur Verfügung haben (Carabano et al., 2010).

Wegen dieser Eigenart der Tiere, selbst vom kärgsten Futter zu überleben, wurde das Kaninchen für den Menschen zu einer Nahrungsquelle, die besonders während der industriellen Revolution und nach dem zweiten Weltkrieg wichtig wurde. Die Kaninchenzucht wurde immer beliebter und es drängten industriell hergestellte Futtermittel auf den Markt, mit zugesetzten Vitaminen, die dem Kaninchen besonders schnell zum Wachstum verhalf und dem Menschen möglichst schnelles Fleisch ermöglichte.

Heute werden Kaninchen gerne in der Wohnung und dem Garten gehalten und der Mythos, dass Kaninchen Trockenfutter benötigen hält sich hartnäckig, alternativ wird oft Gemüse gefüttert. Allerdings sind beide Fütterungsarten, sowohl die Trocken- als auch die reine Gemüsefütterung für Kaninchen nicht geeignet (Rühle und Küpfer; 2010).
Ernährungsphysiologie Drescher, Rühle und Böhmer
Infos

Trockenfutter

Wie oben erwähnt sind Kaninchen Foliovoren, die sich in der Wildnis von zellulosereichen und flüssigkeitsreichen Kräutern und Blättern ernähren. Die industriell hergestellten Trockenfutter, die sich in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg eingebürgert haben, enthalten aber nur wenig Zellulose (Raufaser) und auch kaum Flüssigkeit, ist also für die Ernährung von Kaninchen kaum geeignet.
Die Bestandteile sind häufig Getreide (vor allem Weizen), die sehr stärkehaltig sind und schnell Energie zuführen, dabei aber kaum Raufaser enthalten. Dadurch kommt es zu einer Absenkung des pH-Wertes im Blinddarm von 8-9 auf etwa 5-6 und die Darmflora verändert sich stark. Die Folge können starke Verdauungsprobleme, wie Aufgasung oder Durchfall sein, die nach einiger Zeit auftreten. Durch die Stärke nimmt das Kaninchen auch zu, was zu einer Verfettung und einem trägen Tier führt, das sich im schlimmsten Fall kaum selbst putzen kann und zur Fettleber neigt.
Um die fehlende Zellulose im Futter auszugleichen, wird getrocknetes Pflanzenmaterial beigemengt, häufig Luzerne. Das Problem hierbei ist, dass Kaninchen gewohnt sind frische pflanzliche Materialien aufzunehmen, so nehmen sie nicht nur Raufaser zu sich, die sie für eine funktionierende Verdauung benötigen, sondern auch Flüssigkeit. Wildkaninchen trinken kaum. Nehmen sie nun hauptsächlich getrocknetes Pflanzenmaterial zu sich, fehlt der Flüssigkeitsanteil und die Niere und die Blase werden stark belastet. Zudem sind die in Pflanzen enthaltenen flüchtigen Stoffe wichtig für die Tiere, die beim Trocknen aber verschwinden (Drescher).
Die übrigen Bestandteile, wie zugesetzte Mineralstoffe, Pflanzenöle und pflanzliche Nebenerzeugnisse sind stark industriell verändert und was diese bei der Kaninchenverdauung verursachen, ist noch weitgehend unbekannt. Sicher ist aber, dass herkömmliches Trockenfutter in der Kaninchenernährung mehr schadet als nutzt, wenn man plant das Tier länger als Heimtier zu behalten.
Es gibt allerdings gute, getreidefreie und naturbelassene Trockenfutter, die besonders im Winter als Leckerchen oder Zufutter genutzt werden können. Man sollte beim Kauf daher immer darauf achten, dass sie keine "pflanzlichen Nebenerzeugnisse", zugesetzten Öle oder Mineralstoffe enthalten (Carabano et al., 2010).

Eiweiß

Kaninchen sind reine Pflanzenfresser, die ihr Proteinbedarf rein aus pflanzlicher Ernährung beziehen. Die beste Quelle für Proteine sind Leguminosen (Klee, Wicke), Gräser und andere Wildkräuter, sowie Erbsenflocken und Haferflocken. Eine proteinarme Ernährung kann gesundheitliche Folgen haben, deshalb sollte man auch hier nicht sparen (Rühle und Küpfer, 2010; Carabano et al., 2010).

Frischfutter

Da Trockenfutter als Grundnahrung für Kaninchen nicht geeignet ist, sind Frisch- und Grünfutter für diese Tiere sehr wichtig. Kann man den Kaninchen nicht viel an Wildkräutern und Gräsern bieten, bietet sich Gemüse als Alternative an. Gemüse ist reich an Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und je nach Art auch reich an Raufaser.
Hartes, nicht allzu saftiges Blattgemüse, wie das Grün vieler Wurzelgemüse, Kohl und Küchenkräuter sind dazu am Besten geeignet. Salate, Wurzelgemüse und Fruchtgemüse (Tomaten, Paprika) sollten nur zusätzlich gegeben werden, da sie meist zu viel Wasser und Zucker und dafür im Verhältnis zu wenig Raufaser enthalten. Dabei gilt die Regel besser mehr anbieten, als zu wenig. Kaninchen sind es gewohnt in der Wildnis ein Großteil des Jahres im Überfluss zu leben und sich herauspicken zu können, was ihnen schmeckt und gut tut. Das sollte man bei der Heimtierhaltung beibehalten. Eine gute Futterquelle ist dabei der örtliche Wochenmarkt, bei denen die Gemüsestände meist nicht nur gutes, heimisches Gemüse, sondern auch dessen Grün im Überfluss anbieten, das sogar oft kostenlos.


Obwohl sich die Fütterung von Gemüse über die Jahre durchgesetzt hat, ist das nicht unbedingt die beste Wahl. Das Gemüse, das wir heute kaufen können, wurde über Jahrhunderte (manche Jahrtausende) für den menschlichen Gebrauch und Geschmack gezüchtet, so, dass es saftiger und süßer wurde. Für Kaninchen ist dies jedoch eher ein Rückschritt, da sie im Gegensatz zu uns auf raufaserreiche Kost angewiesen sind (Rühle und Küpfer, 2010). Die fehlenden Fasern, sekundäre Pflanzenstoffe, Fette und Mineralien können sie nicht wie wir, durch Milchprodukte oder anderen Nahrungsmitteln, einnehmen. So nehmen sie Tag für Tag eine viel zu große Wassermenge im Gegensatz zu den anderen Stoffen auf, sodass es zu Matschkot kommen kann. Auch die oft zu hohe Menge an Zuckern im Gemüse führt zu Verdauungsbeschwerden und wirkt dem Zahnabrieb entgegen. Die Folge ist ein Kaninchen mit einer schlechten Verdauung und Zahnproblemen (Carabano et al., 2010; Schlolaut, 2003).
Am Besten bietet man alles gleichermaßen an, so, dass das Kaninchen wählen kann, was es am liebsten isst. Eine gute Mischung aus Wiese und Gemüse bietet ein breites Spektrum an Nahrung an. (Carabano et al., 2010).

Grünfutter

Wie oben schon erwähnt, ist Wiese die artgerechteste Ernährung für Kaninchen. Durch den hohen Gehalt an Raufaser, wird die Verdauung gefordert, die Zähne abgerieben und das Kaninchen beschäftigt. Das Grünfutter kann neben Gemüse angeboten werden, aber auch als alleiniges Futter während der wärmeren Jahreszeiten. Die Wildkräuter kann man auf etwas abgelegenen Wiesen, gepflegten Parks, Baustellen, Wäldern oder Spielplätzen finden. Wichtig ist vor allem, dass man nur pflückt, was man kennt, damit man nicht aus Versehen Giftpflanzen verfüttert. Dazu sollte man neue Futtermittel immer nur langsam anfüttern, damit die Kaninchen nicht mit Verdauungsproblemen reagieren.
Eine reine Gemüsefütterung ist nicht artgerecht. Kaninchen brauchen Rohfaser, z.B. aus (Wiesen-) Kräutern.


Zum Knabbern

Um Kaninchen zu beschäftigen und ihren Knabbertrieb zu befriedigen, sollte man Äste verschiedener einheimischer Bäume anbieten (bei Experten können auch exotischere Arten angeboten werden). Hasel wächst in vielen Parks und Wäldern und wird gerne angenommen. Weide scheint auch zu schmecken und wirkt schmerzlindernd und antientzündlich. Eiche sollte nicht in allzu großen Mengen angeboten werden, wirkt aber Durchfall sehr effektiv entgegen.
Für den Fellwechsel und in Maßen zwischendurch, können auch viele Sämereien angeboten werden, wie Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne, Sesam, Schwarzkümmel, Kümmel, Anissamen usw...

Leckerchen

Als Leckerchen kann Obst wie Apfel, Birne, Weintrauben, Bananen, Kiwis und ähnliches angeboten werden. Gerne angenommen werden auch Erbsenflocken, Haferflocken, Sämereien und viele getreidefreie Leckerlies aus dem Handel.

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