Kaninchen



ALLGEMEINE INFOS

Herkunft

Hauskaninchen (Oryctolaguscuniculus f. domestica) sind Nachkommen des europäischen Wildkaninchens und nach wie vor eng mit ihnen verwandt. Die Wildkaninchen stammen ursprünglich aus dem jetzigen Spanien und Portugal. Die Domestikation und die Haltung in Gehegen, sog. "Leporarien" wurden bereits zu Zeiten der Römer beschrieben. Im 16. Jahrhundert experimentierten Mönche mit der Zucht, um die Farbe und Größe der Tiere zu verändern. Die verschiedenen Rassen werden seit dem 19. Jahrhundert in Zuchtschauen verglichen (vgl. Drescher).

Mittlerweile ist das Kaninchen in der Heimtierhaltung das drittbeliebteste Haustier (vgl. Uni Göttingen). Dabei wurden Kaninchen Jahrzehnte unterschätzt. Erst in den letzten Jahren werden die Bedürfnisse der anspruchsvollen Kaninchen wahrgenommen, beachtet und glücklicherweise auch zunehmend geschätzt.

Steckbrief

Unterstamm Wirbeltiere (Vertebrata)
Klasse Säugetiere (Mammalia)
Unterklasse Placentatiere (Eutheria)
Ordnung Hasentiere (Lagomorpha)
Familie Hasenartige (Leporidae)
Unterfamilie Hasenartige (Leporidae)
Gattung Kaninchen (Oryctolagus)
Art Hauskaninchen (Oryctolaguscuniculus f. domesticus)
Quelle: BNA e.V.

Alter Ca. 6 € 13 Jahre
Größe Je nach Rasse zwischen 25 € 75 cm
Gewicht Je nach Rasse zwischen 1 € 10 Kilogramm
Zähne 28 € nachwachsend bis zu 2 mm pro Woche (Infos)
Geschlechtsreife ab ca. 12 Wochen
Physiologie Körpertemperatur 38 bis 39 Grad Celcius
Herzfrequenz 150 € 325bpm
Atemfrequenz: 30 bis 100 Atemzüge/ Minute in Ruhe
Sinne Die Sinne des Kaninchens sind als Beutetier auf die lebensrettende Flucht hin ausgerichtet (Infos)


Kaninchen und Hasen
Die lateinische Bezeichnung der Kaninchen €Oryctolagus cuniculus€ bedeutet übersetzt €hasenartiger Gräber unterirdischer Gänge€. Kaninchen und Hasen sind in der biologischen Ordnung €Hasenartigen€ (Lagomorpha) zusammengefasst.

Die Beiden sind zwar morphologisch verwandt, weisen jedoch Unterschiede in Aussehen, Verhalten und sogar der Chromosomenzahl auf. Daher ist eine Kreuzung beider Arten nicht möglich.

Unterschiede Kaninchen und Feldhase

Kaninchen haben doch Nagezähne

Geschlechterunterscheidung

Das Geschlecht lässt sich bei erwachsenen Tieren recht gut erkennen. Bei männlichen Tieren ist die Öffnung rundlich, bei etwas Druck kurz vor der Geschlechtsöffnung auf den Bauch tritt der Penis hervor. Bei weiblichen Tieren ist die Öffnung eher länglich und ein Schlitz zu erkennen. Bei Kaninchen unter sechs Wochen ist die Bestimmung sehr schwierig. Zur Bestimmung muss das Kaninchen auf den Rücken gelegt werden, die Bauchdecke wird nach oben gespannt und die Geschlechtsecken etwas zur Seite gezogen. Bei erwachsenen Rammlern sind die Hodensäcke gut zu erkennen, allerdings können die Hoden eingezogen werden.


Bock


Weibchen

Rassen und Farben

Kaninchen weisen eine unzählige Vielfalt von Merkmalen in Größe, Körperbau, Ohrenvariation, Fellstruktur und Farbe auf. Es gibt ca. 70 Kaninchenrassen in 365 Farbvarianten (Quelle: BNA). Die unterschiedlichen Rassen bringen, z.B. durch die Fellstruktur, auch ganz unterschiedliche Anforderungen an Pflege und Haltung mit sich.


Löwenkopfkaninchen (Löwenkopfkaninchen sind keine anerkannte Rasse.)

Größe

Kaninchen werden in unterschiedlichen Größen gezüchtet. Farbzwerge können ein Gewicht von nur einem Kilogramm aufweisen, während Deutsche Riesen oder Deutsche Widder bis zu 10 Kilogramm schwer werden können.
Kleinwidder

Körperbau

Der Körperbau unterscheidet sich bei verschiedenen Rassen. Kleine Rassen sind meist eher gedrungen, haben kleine Köpfe und Ohren. Während Kaninchen mit dem Einschlag des Meißner Widder eine eher längere Körperform zeigen, sind Tiere mit dem Einschlag des deutschen Widders deutlich gedrungen. Weiter gibt es noch das fein- und langgliedrige Hasenkaninchen.

Ohrvarianten

Widder haben hängende Ohren. Sie werden mit stehenden Ohren geboren. Die Ohren fallen ab der 4. Lebenswoche. Seit einigen Jahren werden die Ohren von Zwergkaninchen zunehmend kleiner gezüchtet. Die neueste Variation sind sog. Löffelohren. Zu kleine Ohren beeinträchtigen die Wärmeabgabe und das Hören.

Die ursprüngliche Größe und Stellung der Ohren hat durchaus Sinn und Zweck. Kaninchen setzen die Ohren ein, um mit ihrem ausgesprochen guten Hörsinn die Umgebung wahrzunehmen und Geräusche zu orten. Weiter €kommunizieren€ Kaninchen über die Stellung ihrer Ohren. Sie drücken damit z.B. Aufmerksamkeit oder Angst aus. Diese Möglichkeiten zur Sinnesverstärkung, zur sozialen Interaktion sind bei Kaninchen mit zu kleinen oder hängenden Ohren massiv eingeschränkt. Zudem sind hängende Ohren mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden.


Zwergwidder

Fellstruktur

Kaninchen haben je nach Rasse unterschiedliches Fell. Neben dem normalen Felltyp mit kurzen Haaren gibt es Langhaar, Satin- oder auch Rexkaninchen. Rexkaninchen haben besonders kurzes Fell, bei denen auch die Deck- und Tasthaare verkürzt sind. Satinkaninchen haben besonders seidig glänzendes Fell, mit wenig ausgeprägter Unterwolle.

Das Fell von Langhaarkaninchen wächst stetig nach. Währen das Fell von Angora- und Jamorakaninchen immer länger wird, wächst das von Fuchskaninchen nur bis zu einer bestimmten Länge. Alle Langhaarkaninchen benötigen besondere Fellpflege.


Langhaarkaninchen

Qualzuchten

Seit dem 19. Jahrhundert werden Zuchtschauen organisiert. Leider werden bei der Zucht unterschiedliche Variationen der Felllänge und - beschaffenheit, Zuchtmerkmale wie z.B. die Ohrlänge oder Augenfarbe vor die Bedürfnisse der Kaninchen gestellt.

Albino-Kaninchen: Die roten Augen weisen keine Farbpigmente auf. Sie sind deutlich lichtempfindlicher.

Widderkaninchen: Die Ohren der Widderkaninchen sind kaum beweglich. Kaninchen kommunizieren aber über die Ohrenbewegung miteinander. Weiter sind die Ohren durch die reduzierte Belüftung anfälliger für Infektionen und Parasitenbefall. Auch das Sichtfeld ist eingeschränkt.

Langhaar- und Angorakaninchen: Das Fell macht tägliche Fellpflege notwendig und bedeutet für die Kaninchen entsprechend Stress. Das Fell muss regelmäßig gekämmt und/oder geschoren werden, da es ansonsten stark verfilzt. Die Verfilzungen treten vorwiegend auch an Gelenken auf. Dadurch wird die Beweglichkeit des Kaninchens massiv eingeschränkt und bei massiver Vernachlässigung kann dies sogar tödlich sein.

"Schwerer Schlag": Die Riesen werden auf ein hohes Gewicht hin gezüchtet. Neben Belastungen des Kreislaufs und Bewegungsapparats treten auch vermehrt Sohlengeschwüre der Hinterläufe auf. Die Tiere haben eine deutlich reduzierte Lebenserwartung.

Als Qualzucht sind aber nicht nur die Zuchtvariationen, sondern auch der Zweck der Zucht, z.B. für Tierversuche, Fleischnutzung oder die Pelz zu nennen! Auch die sog. artgerechten Bedingungen nach Tierschutzvorgaben in der Nutztierhaltung werden in keinster Art den Bedürfnissen der Kaninchen gerecht!

Qualzuchten nach dem €Gutachten zur Auslegung von § 11b des Tierschutzgesetzes€ des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft: Quelle

Eignung

Kaninchen sind durchaus anspruchsvolle Tiere, die besondere Herausforderungen an Ernährung und Haltung stellen. Kaninchen sind nur die €richtigen€ Haustiere, wenn diese Bedürfnisse erfüllt werden können. Geruch und Insekten: Kaninchen haben keinen starken Eigengeruch. Mitunter kann mal der Duft eines Markierungsköttels durch die Luft ziehen, aber sonst ist bei konsequenter Hygiene nicht mit Geruchsbelästigung zu rechnen. Allerdings können natürlich mehr Fliegen angezogen werden und das artgerechte Wiesenfutter führt auch dazu, dass Insekten oder sogar Schnecken mit in die Wohnung gebracht werden.

Allergien: Bei der Kaninchenhaltung können natürlich die Tiere selbst Allergieauslöser sein. Aber auch Allergien gegen Milben, die sich im Fell aufhalten, wie auch Heu und Stroh sind zu bedenken. Auch wenn z.B. staubarmes Lein- statt Holzspäneneinstreu verwendet wird, ist mit vermehrtem Staub zu rechnen, der sich natürlich bei Allergien auch negativ auswirken kann.

Kaninchen und Kinder: Für Kinder sind Kaninchen bedingt geeignet. Als Fluchttiere lassen sich nur manche Kaninchen gerne streicheln. Die wenigsten lassen sich unbeeindruckt hochheben, ohne zu strampeln oder in Panik geraten. Kaninchen sind also Beobachtungstiere. Wenn Kaninchen auf den Wunsch ihrer Kinder angeschafft werden, muss den Erwachsenen klar sein, dass sie die Verantwortung im vollen Umfang übernehmen müssen.

Kaninchen und Kosten: Die Kaninchenhaltung ist auch nicht so günstig, wie häufig beschrieben wird. Die tiergerechte Haltung ist nicht mit einem kleinen, günstigen Käfig machbar. Wobei kreative Lösungen bei der Gehegegestaltung mitunter sogar billiger sind, als die überteuerten Käfige. Kaninchen sind aber nicht zimperlich mit Einrichtungsgegenständen (mit den eigenen, aber auch denen ihrer Menschen). Der regelmäßige Ersatz sollte mit eingeplant werden. Weiter sind auch die fortlaufenden Kosten für frische Kräuter, oder vor allem im Winter die Fütterung von Gemüse und Kräutern einzuplanen. Das kann mehrere Euro täglich Kosten! Hierzu kommen Kastrationskosten, Impf- und Tierarztkosten für regelmäßige Checkups (Zahnkontrolle, Abtasten der Gebärmutter, Parasiten). Und leider sind Kaninchen durchaus anfällig für chronische Erkrankungen, wie z.B. Zahnfehlstellungen.

Anschaffung

Bezugsquellen
Vom Erwerb von Tieren im Zoofachhandel raten wir grundsätzlich ab. Die dort angebotenen Tiere stammen häufig aus Massenzuchtanstalten, von unseriösen Züchtern oder Vermehrern. Mit dem Kauf unterstützt du diese Art der der unsinnigen und oft auch leidbesetzten Vermehrung. Nähere Informationen zum Thema:
Kaufe keine Tiere in Zooläden

Kaninchen sollten erst ab der 11. Woche von der Mutter getrennt werden! Beachte dies bei der Auswahl des Kaninchens und der Herkunftsstelle.

In Tierheimen oder bei Tierschutzorganisationen warten viele Kaninchen auf ein neues Zuhause. Hier werden die Tiere nur kastriert weitervermittelt. Die Kaninchen haben einen Gesundheitscheck durchlaufen und ihre Verhaltensweisen wurden beobachtet. Auch erhältst du Informationen, qualifizierte Beratung, Hilfe bei der Partnersuche und Unterstützung bei der Vergesellschaftung über die Vermittlung hinaus.
Anschaffungs- / laufende Kosten
Vom geringen Anschaffungspreis sollte sich niemand täuschen lassen, dass die Kaninchenhaltung auch günstig wäre.

Im Folgenden liefern wir eine Übersicht über die Anschaffungs- und laufenden Kosten:


Transport
Transportboxen müssen eine ausreichende Größe für min. 2 Kaninchen bieten. Am ehesten wird das erfüllt, wenn auf Transportboxen für Katzen oder kleine Hunde zurückgriffen wird. Denke an ein Handtuch, um die Tiere ggf. vor Reizen von außen abzuschirmen. Bitte unbedingt die Außentemperaturen beachten. Für Kaninchen aus Innenhaltung muss bei Kälte an Wärmequellen gedacht werden.

Eingewöhnung
Informiere dich ausführlich über Kaninchen und erkundige Dich im Vorfeld nach einem kaninchenerfahrenen Tierarzt in der Nähe.

Bereite das Gehege und auch die Wohnung kaninchensicher vor. Wenn eine neue Gruppe einzieht, sollte das Gehege komplett eingerichtet sein. Für die neueintreffenden Kaninchen sollte sofort Wasser, Heu und Frischfutter bereitstehen. Bedenke, dass das Kaninchen langsam an das neue Futter gewöhnt werden muss. Lass dir Futter oder Informationen dazu von der Herkunftsstelle mitgeben.

Wenn ein neues Partnerkaninchen zu einem vorhandenen Kaninchen einzieht, sollten ein paar weitere Punkte beachtet werden: Wenn nicht, muss vor einer Vergesellschaftung noch die Quarantäne gewährt werden.

Quarantäne
Quarantäne dient durch die Isolierung zu den vorhandenen Kaninchen dazu, entweder die Übertragung von Krankheiten, oder eine Trächtigkeit zu vermeiden.

Kaninchen und Tierschutz

Kaninchen in der Fleischindustrie:
Nach Angaben des deutschen Bundestages werden jährlich 30 Millionen Kaninchen zum Verzehr geschlachtet. Zuvor werden sie in Gehegen gehalten, die viel zu klein sind, um grundlegenden Bedürfnissen, wie Schlafposition oder Fellpflege abzudecken (Peta/Kaninchenmast).

Kaninchen als Futtertier:
Kaninchen werden lebend und auch als Frosttiere zur Verfütterung verkauft. Frostnager, die häufig in Zoohandlungen angeboten werden, stammen aus tierquälerischen Massenzuchten, oder sind Ausschussware aus dem Lebendtierverkauf. Sie werden durch Schläge und Genickbruch getötet (Quelle Peta). Auch Futtertiere sind Lebewesen und haben den gleichen Anspruch auf ein leidloses und artgerechtes Leben, wie die Tiere, die mit ihnen gefüttert werden. Gut genährte, fitte, gesunde und ausgeglichene Futtertiere sind für ihre Konsumenten ein klares Plus.
Kaufe keine Tiere in Zooläden

Tierversuche:
Vom Bundesverband für Tierrechte wurde das Kaninchen zum Versuchstier des Jahres 2015 benannt. Jährlich werden mehr als 105000 Kaninchen für Tierversuche missbraucht.
Quelle

Mit der Ernennung soll auf Alternativen zu Tierversuchen, die es durchaus gibt, aufmerksam gemacht werden.

Pelz und Angorawolle
Kaninchenpelz ist kein Abfallprodukt der Fleischindustrie! Wenn auch der klassische Pelzmantel aus der Mode ist, ist es aktuell Trend Pelzbesatz an Mützen, Stiefeln und Taschen zu tragen. 90 % des Kaninchenpelzes oder auch Angorawolle werden aus China, wo keine Sanktionen für Tiermissbrauch ausgesprochen werden, importiert. Das Angorafell wird den Kaninchen, in Halterungen eingespannt, lebendig und ohne Narkose ausgerissen. Du kannst hier ganz einfach helfen. Trage keine Kleidung oder Accessoires, die mit Pelz ausgestattet sind. Denn auch vermeintlicher Kunstpelz besteht häufig aus echten Tierhaaren.

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