Scheinschwangerschaft bei Häsinnen

Der Nagerschutzschutz gibt keine Empfehlung für Pro oder Contra Weibchen-Kastration. Dies muss jeder Kaninchenhalter in Absprache mit dem Tierarzt selber entscheiden.

Frühjahrszeit - die Menschen betreiben Großputz, Tiere fangen an, Nester zu bauen. In der Heimtierhaltung sind männliche Kaninchen kastriert, so dass es glücklicherweise zu keinem weiteren Nachwuchs kommen kann. Unkastrierte Häsinnen erleben allerdings hormonelle Schübe, die letztlich im Verhalten der einer trächtigen Häsin ähneln - sie erleben eine Scheinschwangerschaft.

Die Zeichen dafür sind sehr unterschiedlich. Das auffälligste ist sicherlich, dass die Häsin Heu und Stroh verschleppt und an einer sicheren Stelle ein Nest baut. Dazu reißen sich die Tiere auch häufig Fell an der Brust heraus, um es weich und warm zu gestalten. Oft fallen dem Halter kahle Stellen im Fell auf. Auch das Verhalten gegenüber dem Partnertier kann sich ändern. Häsinnen unter Hormonstreß können ihr Partnertier richtig drangsalieren. Das beginnt bei Rammeln, Gurren und Umwerben bis hin zu aggressiver Jagerei, da die Häsinnen frustriert sind. Auch angeschwollene Zitzen bis hin zu Milcheinschuss sind möglich und für die Häsinnen ebenfalls unangenehm. Das Verspritzen von Urin kann ebenfalls ein Zeichen für eine hormonelle Überproduktion sein.

Was macht man nun als Halter? Im Grunde erst mal nicht viel, solange der Hormonschub da ist. Lassen sie der Häsin ihr Nest, bieten sie im Gehege vielleicht ein weiteres Häuschen an, in das sich das Partnertier zurück ziehen kann. Von Hormonspritzen und Medikamenten raten wir dringend ab. Sie kaschieren zwar potentiell die Symptome, aber die Gebärmutter beruhigt sich dadurch keineswegs, im Gegenteil. Sollte die Scheinschwangerschaft eine einmalige Sache und nicht so stark ausgeprägt sein, kann man gern bei Gelegenheit die Gebärmutter per Ultraschall beim Tierarzt checken lassen. Achtung: durch reines Abtasten werden wenn überhaupt nur stark ausgeprägte Veränderungen erkannt!

Treten die Symptome häufiger auf, sind Häsinnen angespannt, gereizt, zickig, sollten sie auf jeden Fall mit einem erfahrenen! Tierarzt über das Thema Weibchenkastration sprechen. Leider zeigen sich Veränderungen nicht zwingend im Ultraschall, sondern oft erst bei der Operation und da auch gar nicht selten. Es ist kein kleiner Eingriff und er ist neben dem Narkoserisiko auch mit klassischen Risiken wie Wundinfektion oder Schmerz verbunden, nichts desto trotz bedeutet andauernder Hormonstreß für die Häsin und meist auch ihr Partnertier kein friedliches Kaninchenleben. Viele Häsinnen, die sich als hormonell auffällig erweisen, erkranken mit einigen Jahren außerdem an Gebärmutterkrebs. Im Anfangsstadium wird die Gebärmutter dann entfernt, wobei diese OP mit einem wesentlich größeren Risiko behaftet ist. Wird der Krebs erst festgestellt, wenn er schon gestreut hat, bleibt einem leider meist nur noch, dem Tiere eine schöne Zeit zu bereiten. Eine rechtzeitige Kastration, Achtung: keine Sterilisation! - kann dieses Risiko stark senken. Ein jüngeres Tier verkraftet eine Operation meist besser als ein älteres. Entscheidend ist wie immer, dass sie ihr Tier genau beobachten, gegebenenfalls auch mal eine Art Verhaltens-Tagebuch führen und/oder ein Ultraschall beim Tierarzt durchführen lassen.

Entscheiden Sie individuell und zusammen mit ihrem Tierarzt - wichtig ist allerdings, dass dieser bereits Erfahrungen mit Weibchenkastrationen vorweisen kann und zu diesem Thema realistisch eingestellt ist. Eine gute Narkoseform, Schmerzmittel und die richtige Nachsorge sind bei dieser OP von absoluter Notwendigkeit. Dass kastrierte Häsinnen automatisch dick und träge werden, ist im Übrigen ein Gerücht.

Schon gewußt?

Auch Kaninchen können unter Schilddrüsenproblemen leiden. Meist wird es erst dadurch entdeckt, dass Häsinnen aufgrund von Auffälligkeiten kastriert wurden und zwar entspannter sind, aber trotzdem gelegentlich plötzliche Aggressionsanfälle bekommen. Das ist natürlich auch bei kastrieren Rammlern möglich. Oft liest man, dass Kaninchen allein bleiben müssen, weil sie aggressiv auf sämtliche Artgenossen reagieren. Da Kaninchen Gruppentiere sind, spricht dieses Verhalten gegen ihr ureigenes Wesen und eine Erkrankung sollte ausgeschlossen werden, denn beispielsweise Schmerzen führen schnell zu Aggressivität - aber eben auch sogenannte Schilddrüsendysfunktionen - ein Bluttest auf die Schilddrüsenwerte kann aufschlussreich sein. Wie beim Menschen auch kann die Schilddrüse langfristig mit Medikamenten eingestellt werden. Es ist jedenfalls kein Grund, dass ein erkranktes Tier sein Leben allein verbringen muss!

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