Thementage Tierversuche

Eine jahrzehntelange Diskussion

Tierversuche. Eine jahrzehntelange Diskussion - und was sie für uns bedeutet

Tierversuche retten Menschenleben, sagen viele Wissenschaftler. Tierversuche sind ethisch inakzeptabel, sagen Kritiker. Vorab: Hier soll es nicht darum gehen, sich für das Wohl von Tieren oder Menschen zu entscheiden. Jedem Kranken seien neue Therapien von Herzen gegönnt – und ebenso jedem Tier ein glückliches und artgerechtes Leben. Einige Gedanken zu unseren ‚Thementagen Tierversuche‘.

Tierversuche sind beinahe allgegenwärtig. Sie stecken nicht nur in Medikamenten, sondern auch in fast allen anderen Materialien, die mit dem Menschen in Kontakt kommen – Wandfarben oder Kunststoffen zum Beispiel. Die Öffentlichkeit spaltet sich jedoch vor allem an medizinischen Tierversuchen, denn hier geht es um Menschenleben. Ohne Tierversuche könne man viele neue Therapien gar nicht entwickeln, meint ein erheblicher Teil der Wissenschaftler. Die Frage ist: Stehen wir wirklich vor dieser Wahl? Müssen wir wirklich Menschenleben opfern, wenn wir uns dagegen entscheiden, Labortiere schrecklichen Qualen auszusetzen?

Nein, sagen die „Ärzte gegen Tierversuche“. Der Zusammenschluss von Ärzten und Wissenschaftlern, die sich für eine Forschung ohne Tierleid einsetzen, geht sogar noch einen Schritt weiter: Tierversuche würden den wissenschaftlichen Fortschritt behindern, sagen sie. Denn ein erheblicher Prozentsatz der Medikamente, die sich in Tierversuchen bewähren, entpuppen sich laut einer Broschüre der Initiative bei menschlichen Patienten entweder als wirkungslos – oder sogar gefährlich. Denn Tiere, seien es Mäuse, Ratten oder Kaninchen, haben einen ganz anderen Stoffwechsel als wir – was für sie ungiftig ist, kann uns massiv schaden, im schlimmsten Fall sogar töten. Zudem würden die Tiere viele der menschlichen Krankheiten, die bei ihnen im Labor künstlich erzeugt werden, in der Natur nie bekommen. Nicht zuletzt deshalb bezweifeln die Ärzte gegen Tierversuche und gleichartige Vereinigungen in anderen Ländern, dass sich die Erkenntnisse aus Tierversuchen überhaupt sinnvoll auf den Menschen übertragen lassen.

Befürworter von Tierversuchen halten dem entgegen, dass es nicht ausreiche, neue Wirkstoffe z.B. in Zellkulturen oder Computersimulationen zu testen, da ein lebendiger Organismus viel komplexer ist, als es in solchen Versuchen simuliert werden kann. Schließlich weiß ein Computer immer nur das, was der Mensch ihm vorher eingibt. Woraufhin die Tierversuchsgegner kontern könnten, dass eine Maus zwar der Komplexität Rechnung trägt, doch durch die oben genannten Gründe keine verwertbaren Rückschlüsse aus solchen Versuchen gezogen werden können. Wirklich sicher seien neue Medikamente auch nach Tests mit Mäusen nicht, wenn sie das erste Mal einem menschlichen Patienten verabreicht werden.

Beide Seiten liefern Argumente, beide Seiten beharren auf ihrem Standpunkt. Sie, lieber Leser, haben sich vermutlich auch schon eine Meinung zu diesem Thema gebildet. Oder Sie möchten sich hier informieren, weil Sie von den vielen gegensätzlichen Informationen verwirrt sind, und nicht mehr wissen was Sie glauben sollen. Eines vorweg: Egal, wie Sie über Tierversuche denken – Ihre freie Meinung sei Ihnen ebenso gegönnt wie den oben erwähnten Patienten die rettende Therapie. Ich möchte aber eine andere Frage in den Raum stellen.

Ist es überhaupt relevant, welche Seite Recht hat? Wenn Sie, lieber Leser, Tierversuche für wissenschaftlichen Humbug halten, dann begrüßen Sie alternative Verfahren nicht nur aus ethischen Gründen, sondern auch weil Sie in ihnen einen größeren Nutzen für den Menschen sehen. Oder aber Sie sehen Tierversuche nach wie vor als notwendig für den Fortschritt an. Dann möchte ich Sie bitten, darüber nachzudenken, ob Sie nicht vielleicht trotzdem dem folgenden Satz zustimmen können: „Selbst wenn ich es heutzutage noch für wichtig halte – das Tierleid ist entsetzlich, deshalb brauchen wir möglichst schnell Alternativen“?

Ergibt sich unter diesem, dem ethischen, Aspekt letztendlich nicht für beide Seiten dieselbe Konsequenz – nämlich dass wir uns für die Weiterentwicklung der Forschung ohne Tierversuche einsetzen? Vielleicht sollten wir aufhören, zu streiten und uns stattdessen genau damit ans Werk machen. Damit wir gar nicht mehr darüber diskutieren müssen, ob wir Menschen oder Tieren helfen. Weil wir nämlich beides gleichzeitig können.

In würde mich freuen, wenn Sie mich auf unseren Thementagen begleiten, in der wir Ihnen einige alternative, tierversuchsfreie Testverfahren vorstellen wollen - nicht nur in der Medizin, sondern auch in der Kosmetik. Und warum nicht mal einen Lippenstift selber machen? Das verhindert nicht nur Tierleid, sondern macht auch noch viel Spaß. Nächstes Mal bleiben wir allerdings zunächst noch in der Medizin – ich wünsche Ihnen bis dahin einen guten Start in die Woche.

Quellen:

Ärzte gegen Tierversuche e.V.: Woran soll man denn sonst testen? Moderne Forschungsmethoden ohne Tierversuche. Pdf-Broschüre, per Email erhalten von den Ärzten gegen Tierversuchen e.V.

Argumente der Tierversuchsbefürworter: verschiedene Online-Stichproben per Suchmaschine.

Physiologie im Taschenformat: Biochips

Wenn man den Menschen untersuchen möchte, ist das naheliegendste, menschliche Zellen dafür zu benutzen. Das ist nicht immer einfach, denn diese können manchmal richtige kleine Mimosen sein. Und außerdem besteht so ein Organ ja auch nicht nur aus einem einzigen Gewebetyp. Was nun? Zum Glück sind die Wissenschaftler mal wieder kreativ geworden.

Heutzutage lassen sich viele Zelltypen von menschlichem Gewebe in der Petrischale anziehen, sofern man viel Arbeit, Hingabe und oft auch eine gehörige Portion Frust dafür aufwendet. Sie werden verwendet, um zum Beispiel die Reaktion von Hautzellen auf ein neues Kosmetikprodukt zu testen. Leider gefällt es den Zellen oft nicht in ihrer Glasschale und sie segnen schnell das Zeitliche, so dass der arme Forscher wieder von vorn beginnen muss. Außerdem bemängeln Kritiker, dass in der Arbeit mit Zellkulturen der Einfluss des Stoffwechsels nicht berücksichtigt wird. Denn wenn es sich bei der Testsubstanz um einen oral aufgenommenen Wirkstoff handelt, geht dieser schließlich durch den Magen, den Darm, den Blutkreislauf, etc., und auf diesem langen Weg können chemische Verbindungen die merkwürdigsten Dinge tun. Sei es dass sie sich abbauen, umwandeln, oder an überraschenden Stellen ansammeln.

Für Fragestellungen, bei denen genau das wichtig ist, gibt es nun einen ganz neuen Ansatz: Biochips. Das klingt nach High-Tech, und genau das ist es auch. In der sehr renommierten internationalen Fachzeitschrift ‚Nature‘ wurde ein Feature zu diesem Thema veröffentlicht, das die Funktionsweise dieser vielversprechenden Technologie beschreibt. Die Forscher bauen auf einem kleinen Kunststoff-Chip zunächst die äußeren Strukturen des Körpers nach - bei einer künstlichen Lunge zum Beispiel in Form von winzigen Kanälchen, die in den Chip eingraviert werden. Dort hinein werden anschließend die menschlichen Zellen eingebracht, die nun nicht mehr nur zweidimensional in einer Schale wachsen, sondern sich wie im Körper zu dreidimensionalen Strukturen anordnen können. Außerdem können die Forscher mehrere Gewebetypen auf den Chips kombinieren und sie durch die feinen Kanälchen mit Blut versorgen, so dass ein menschliches Organ viel realistischer abgebildet werden kann. Der ‚Lungen-Chip‘ hat außerdem noch zwei Vakuum-Kammern links und rechts, die die Atembewegung simulieren. Das ist wichtig, denn die Zellen werden durch das Dehnen und Zusammenziehen mechanisch belastet, und das hat wiederum Einfluss auf ihre physiologische Aktivität. So konnten die Forscher beobachten, dass kleine Schmutzteilchen, die sie auf den Chip eingebracht hatten, mit der Atembewegung viel schneller in die Blutbahn gingen. Tests, bei denen es um giftige Substanzen in der Luft geht, müssen dies also unbedingt berücksichtigen.

Mittlerweile gibt es aber nicht nur einzelne Organe auf dem Chip, sondern sogar Mini-Stoffwechsel-Systeme. Dabei enthält der Biochip mehrere Kammern, die jeweils mit Zellen verschiedener Organe bestückt werden (zum Beispiel Leber, Darm und Tumorzellen, wenn es um die Verträglichkeit von Medikamenten gegen Krebs gehen soll). Über die winzigen Kanäle auf dem Chip sind sie miteinander verbunden und werden von Blut durchströmt. Anschließend kann man beobachten, wie sich die Testsubstanz verhält und ob sie die Leber schädigt.

Die Möglichkeiten für den Einsatz von Biochips sind vielfältig und ihre Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen. Durch das standardisierte Verfahren gibt es weniger Varianz in den Ergebnissen; einmal weil das Handling stärker automatisiert ist und zweitens weil es keine Mäuse mehr gibt, die sich von Tier zu Tier doch immer ein bisschen unterscheiden. Dadurch wird die statistische Auswertung der Experimente solider. Außerdem sind Biochips schneller und kostengünstiger als die herkömmlichen Tiermodelle und sie arbeiten mit menschlichem Material, wodurch wir das gestern angesprochene Problem mit der Übertragbarkeit von Ergebnissen elegant umgehen könnten.

Mittlerweile werden einige Biochips bereits kommerziell hergestellt, aber trotzdem stehen die Entwickler noch vor vielen Hürden. Manche Zelltypen lassen sich bislang kaum in Kultur ziehen und auch der künstliche Blutkreislauf sollte noch verbessert werden, um die unterschiedliche Art der Blutzirkulation durch jedes Organ realistischer abzubilden. Außerdem muss man sicherstellen, dass die Testsubstanz nicht womöglich mit dem Chip-Material selbst reagiert oder von diesem aufgenommen wird.

Dennoch: Biochips haben großes Potenzial und bei den noch offenen Punkten sei auf die Kreativität und den Fleiß unserer Wissenschaftler vertraut. Auch so liefern die Chips schon interessante Ergebnisse. Ein neuartiger ‚Leber-Chip‘ konnte zum Beispiel zeigen, dass das Hepatitis B-Therapeutikum Fialuridine giftig und leberschädigend ist. Die Substanz war in den 90er Jahren auf Grund dessen in klinischen Tests durchgefallen. Der vorangegangene Tierversuch hatte damals keinen Hinweis auf eine toxische Wirkung geliefert.

Morgen widmen wir uns einem ganz anderen Ansatz, nämlich der Vermeidung von unnötiger Arbeit überhaupt. Warum sich ins Labor stellen, wenn man auch den Computer fragen kann!


Quellen:

Ärzte gegen Tierversuche e.V.: Woran soll man denn sonst testen? Moderne Forschungsmethoden ohne Tierversuche. Pdf-Broschüre, per Email erhalten von den Ärzten gegen Tierversuchen e.V.

Baker, Monya (2011): A Living System on a Chip. Technology Feature, Nature, Vol. 471, 661-665.

Computerspiele für Fortgeschrittene

die in silico Methodik

Der Hund ist des Menschen bester Freund, der Computer kommt gleich danach auf Platz 2. Er ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Und so ist es nicht verwunderlich, dass er uns nicht nur im Alltag vieles erleichtern kann, sondern auch in der Wissenschaft. Wer früher noch mit Augenringen bis Mitternacht im Labor pipettieren musste, fragt heute seinen Rechner und trinkt dabei gemütlich eine Tasse Kaffee. Und freut sich darüber, was der Computer so alles weiß.

Für so manches Experiment muss man sich zum Glück heute nicht mehr ins Labor stellen, und in Zukunft wird die Arbeitslast wahrscheinlich noch weiter sinken. Denn der Computer kann bereits im Vorfeld helfen zu entscheiden, ob sich ein Experiment überhaupt lohnt. Das ist besonders für die Pharmaindustrie interessant, die ständig auf der Suche nach neuen Wirkstoffen ist. Per Computer lassen sich die Eigenschaften eines potenziellen neuen Wirkstoffes mit denen von bereits bekannten Substanzen vergleichen. Solche ‚in silico‘ genannten Verfahren gibt es bereits mehrere und meistens tragen sie schicke Abkürzungen, wie zum Beispiel QSAR und PBPK. Sie basieren darauf, dass in der Chemie eine ähnliche Struktur oft mit ähnlichen Eigenschaften – also auch einem ähnlichen Verhalten im menschlichen Körper – einhergeht.

In Datenbanken werden chemische Verbindungen gemäß ihren Eigenschaften in verschiedene Kategorien gruppiert und die unbekannte Substanz damit verglichen. Dabei wird nicht nur die Molekülstruktur betrachtet, sondern zum Beispiel auch die Bioverfügbarkeit und wie leicht die Verbindung mit anderen Stoffen reagiert. Andere in silico Methoden konzentrieren sich auf den dreidimensionalen Aufbau. Eine chemische Reaktion zweier Moleküle erfolgt normalerweise über bestimmte Stellen mit besonderer Struktur. Man kennt bereits viele solcher ‚Reaktionszentren‘, und so kann man auch unbekannte Substanzen entsprechend danach absuchen. Die Reaktionszentren geben Aufschluss darüber, mit welchen Verbindungen die Substanz reagieren kann und welche Art von Reaktion dabei abläuft.

Natürlich muss man auch überprüfen, ob eine Substanz das menschliche Erbgut schädigt (‚Genotoxizität‘/‘Mutagenität‘). Auch hierbei kann der Computervergleich helfen. Denn um das Erbgut anzugreifen, muss die Substanz in der Lage sein, an die menschliche DNS zu binden. Dies geschieht, ähnlich wie oben beschrieben, über Reaktionszentren. Im Jahr 2010 wurde eine wissenschaftliche Arbeit publiziert, die 57 solcher Strukturkomplexe definiert hat. Finden sich einer oder mehrere davon in einer unbekannten Verbindung, kann man davon ausgehen, dass die Substanz wahrscheinlich gefährlich für das Erbgut ist.

Wichtig ist aber auch, wie eine chemische Verbindung im Körper verstoffwechselt wird. Deshalb gibt es auch Computermodelle, die vorhersagen, ob die Testsubstanz die Blut-Hirn-Schranke überwindet, oder die Darmwand durchdringt. Wenn das Molekül strukturell gut an die im menschlichen Körper vorhandenen Transporterproteine passt, wird es bestimmte Gewebe besser erreichen können als andere Verbindungen. Oder es beeinflusst die CYPs – das sind Enzyme, die zum Beispiel Medikamente in unserem Körper abbauen. An Hand der Reaktion mit den CYPs lässt sich abschätzen, ob und wie lange die Testsubstanz im Körper verbleibt.

Man kann also schon im Vorfeld eine ganze Menge herausfinden über eine neue Testsubstanz. Mittlerweile gibt es sogar ein großes EU-Projekt im Bereich in silico Forschung. Es heißt ‚COSMOS‘ und wurde schon vor einigen Jahren ins Leben gerufen, als die EU das geplante Tierversuchsverbot für kosmetische Produkte ab 2013 bekannt gab. COSMOS geht unter Anderem der Frage nach, wie man testen kann, ob ein Kosmetikum auch bei Langzeitanwendung sicher ist. So werden die Computerverfahren immer weiter verbessert und verfeinert – und ersetzen nicht nur eine Menge Tierversuche, sondern ersparen den Forschern auch viel Zeit, Geld und Frust.

Quellen:

Homepage des COSMOS Cluster: http://www.cosmostox.eu/home/welcome/

Raunio, H. (2011): In silico toxicology – non-testing methods. Frontiers in Pharmacology, Volume 2, Article 33.

Von Statistik und inneren Schweinehunden

Heute gibt es mal keine komplizierten Experimente im Labor oder am Computer, sondern stattdessen Statistik. Das haben die meisten von uns schon in der Schule nicht gemocht. Aber auch wenn sie nicht jedermanns Sache ist, kann die gute alte Statistik uns eine ganze Menge an wichtigen Erkenntnissen über unsere Gesundheit liefern. Und uns daran erinnern, mit dem inneren Schweinehund mal wieder ein ernstes Wörtchen zu reden.

Epidemiologie – Auf der Suche nach dem Faktor X


Epidemiologie, das klingt nach Epidemie, und es hat tatsächlich auch etwas damit zu tun. Aber keine Sorge: Epidemiologen sind keine skrupellosen Forscher, die aus Neugier und Wissensdrang irgendwelche Krankheitserreger in der Bevölkerung freisetzen. Sie beobachten sie nur. Und zwar meistens unter Zuhilfenahme von Datenbanken, denn schließlich können sie schlecht mehrere Millionen Menschen zur Blutabnahme ins Labor bestellen. Wenn sie nicht gerade Statistik betreiben, tragen sie in der Fachliteratur veröffentlichen Studien zusammen und vergleichen sie, oder sie schicken ein paar tausend Leuten Fragebögen, auf denen diese Auskunft über bestimmte Lebens-, Ess- oder sonstige Gewohnheiten geben sollen. Das alles dient dazu, Zusammenhänge zu erkennen – zwischen einer Krankheit und einem oder mehreren bestimmten Faktoren. Und das macht auch Sinn, denn die allermeisten Krankheiten werden von Umwelt und Lebensstil beeinflusst – manche mehr, manche weniger. Das Wissen darum kann Betroffenen folglich helfen, ihre Beschwerden zu lindern, oder sogar zu heilen. Die Epidemiologen waren es zum Beispiel, die erkannten, dass Rauchen in engem Zusammenhang mit Lungenkrebs steht. Und ebenso fanden sie heraus, wie AIDS übertragen wird. Zwei wichtige Erkenntnisse, die den Betroffenen einen Haufen Medikamente und Beschwerden ersparen können, wenn sie sie beherzigen. Die Epidemiologie ist also ein wichtiges Forschungsfeld, das in Zukunft sicher noch viele weitere interessante Erkenntnisse dieser Art ans Licht bringen wird – ganz ohne Tierleid, und für den Menschen direkt nutzbar. Aber bei der ganzen Diskussion über Krankheiten und deren Heilung dürfen wir den wichtigsten Punkt nicht vergessen – den, der wahrscheinlich einen Großteil der Laborarbeit (und somit auch die dazugehörigen Tierversuche) sofort überflüssig machen würde, wenn sich denn jeder die Zeit nehmen würde, um sich zur Genüge mit ihm zu befassen. Ich spreche von…der Prävention.

Prävention – Das ewige Stiefkind

Sicher gibt es Krankheiten, bei denen auch der beste Lebensstil nur wenig hilft – zum Beispiel besonders schwerwiegende Defekte im Erbgut, die zu extremen körperlichen Fehlfunktionen schon im Säuglingsalter führen, oder andere seltene Erkrankungen. So etwas ist schlimm, und allen Betroffenen und ihren Angehörigen ist von Herzen zu wünschen, dass die Wissenschaft ihnen eines Tages helfen kann. Der weitaus größere Teil der menschlichen Wehwehchen lässt sich jedoch zum Glück entscheidend durch so einfache Dinge wie unseren Lebenswandel beeinflussen. Und wenn wir alle ein bisschen gesünder leben würden, könnten wir nicht nur viele gesundheitliche Probleme für uns selbst verhindern, sondern auch viele Tierversuche, die im Namen der sogenannten „Volkskrankheiten“ durchgeführt werden. Herz-Kreislauf-Beschwerden, Rückenprobleme, ständige grippale Infekte – dagegen kann man etwas tun. Mehr Frischkost auf den Teller anstatt Fertiggerichten, Sport treiben anstatt vor dem PC und Fernseher herum zu gammeln und die Entspannung nicht vergessen – damit tun wir nicht nur den Tieren, sondern auch uns selbst etwas Gutes.

Quellen:
Ärzte gegen Tierversuche e.V.: Woran soll man denn sonst testen? Moderne Forschungsmethoden ohne Tierversuche. Pdf-Broschüre, per Email erhalten von den Ärzten gegen Tierversuchen e.V.
Lunet, Nuno (2012): The Use of Systematic Review and Meta-Analysis in Modern Epidemiology. In: Epidemiology - Current Perspectives on Research and Practice, Prof. Nuno Lunet (Ed.), ISBN: 978-953-51-0382-0, InTech, verfügbar auf: http://www.intechopen.com/books/epidemiology-current-perspectives-on-research-andpractice/the-use-of-systematic-review-and-meta-analysis-in-modern-epidemiology

Warum nicht mal natürlich – Kosmetik hausgemacht

Wieso muss es eigentlich immer die teure Schminke aus der Drogerie sein? Kosmetik selber machen ist gar nicht so schwer. Allenfalls muss man hinterher das Bad putzen, aber auch das kann man mit etwas Geschick auf ein Minimum beschränken. Der Stolz über die glänzende Haarpracht und den frischen ‚Do-it-yourself‘ Porzellanteint wird mit Sicherheit alles wieder wettmachen.

Seit Januar 2013 dürfen in der EU keine Tierversuche mehr für Kosmetikprodukte durchgeführt werden und auch der Verkauf von solchen Produkten ist verboten. Das ist wunderbar und, wie ich finde, ein großer Schritt nach vorne! Aber leider gibt es immer noch ‚Hintertürchen‘. Manche Firmen, die ihre Produkte auch im außereuropäischen Raum vertreiben, führen dort weiterhin Tierversuche durch, da diese in manchen Ländern vorgeschrieben sind. Global gesehen sind Kosmetika also immer noch mit viel Tierleid verbunden. Der frustrierte Konsument, der Tierversuche nicht unterstützen möchte und seien sie auch noch so weit weg, steht also immer noch vor dem Problem, was er eigentlich kaufen soll. Und ärgert sich schwarz, wenn er im Laden entdeckt, dass er die mühevoll ausgedruckten ‚Positivlisten‘ aus dem Internet wieder Mal daheim vergessen hat.
Vielleicht fragt sich eben jener frustrierte Konsument auf dem Nachhauseweg, was eigentlich die Leute früher gemacht haben. Damals, als es noch gar keine Kosmetikindustrie gab. Waren die Menschen alle hässlich? Mitnichten. Schön sein wollte man schon immer, und die vorindustriellen Kulturen waren diesbezüglich äußerst kreativ. Sie nutzten die Kraft der Natur – und das können wir heute immer noch. Wenn wir ein bisschen Zeit und Lust am Mischen mitbringen.

Haarpflege wie im Orient
Unsere Haare sind schon arm dran. Sie werden gebleicht, gewellt, mit dem Glätteisen gegrillt und anschließend noch mit einer Silikon-Shampoo-Mischung ummantelt, damit sie nach der ganzen Tortur wieder gesund aussehen, obwohl sie schon vollkommen kaputt sind. In Afrika und Indien würde sich so mancher angesichts dessen wohl entgeistert an die Stirn tippen. Dort kennt man nämlich eine Pflanze, die das Haar tatsächlich gesund und glänzend macht, und es nicht nur so aussehen lässt. Bei uns kennt man sie auch als Tattoo-Malmittel – der Henna-Strauch.

Wer jetzt aufschreit, dass er keine karottenroten Haare haben will, hat vermutlich schon Erfahrungen mit dieser Pflanze gesammelt. Und tatsächlich färbt Henna sehr intensiv, das Spektrum reicht von orange bis kupferrot und wenn man Indigo oder andere Pflanzen dazumischt, kann man noch ganz andere Haarfarben erzielen. Aber es gibt auch das sogenannte ‚neutrale Henna‘, das keine Farbe abgibt und sich deshalb für die Haarpflege ohne Rotstich eignet. Achtung: Unter diesem Begriff versteht man nicht ‚Lawsonia inermis‘ (das echte Henna), sondern andere Pflanzen wie Cassia obovata. Diese pflegen genauso, geben aber keine Farbe ab – wobei man angeblich einen schönen Goldstich erzielen kann, wenn man Zitrone zugibt und zwölf Stunden wartet. Dennoch sollte man bei hellblonden Haaren sicherheitshalber einen Strähnchentest machen, denn vereinzelt finden sich im Netz Berichte von einem leichten Grünstich. So etwas kann an zu hartem Wasser liegen, denn dann reagieren die mineralischen Substanzen mit dem Pflanzenextrakt. Ansonsten ist die Anwendung von neutralem Henna denkbar einfach: Mit heißem Wasser anrühren bis eine schöne schlammartige Masse entstanden ist, auf den Kopf schmieren und am besten mit Frischhaltefolie umwickeln, damit man sich während der Einwirkzeit nicht die ganze Wohnung einsaut. Nach dem Abwaschen eventuell etwas Öl in die Haare oder auf die Kopfhaut geben, da Henna leicht austrocknend wirkt. Fertig.

Und was soll ich dann im Schwimmbad machen? Dieser Einwand ist verständlich, denn wenn man in der öffentlichen Dusche anfängt, sich den Kopf mit Tonnen von Schlamm zuzukleistern, wird man eventuell nicht nur pikierte Blicke ernten, sondern im schlimmsten Fall ein Hausverbot. Für solche Fälle gibt es eine etwas modernere Lösung – ich nenne es ‚Shampoo-Tuning‘. Dafür braucht ihr ein neutrales Basisshampoo aus dem Bioladen (tierversuchsfrei, natürlich). Das enthält nicht viel mehr als die ‚waschaktive Substanz‘, also das, was die Haare saubermacht und einen Gelbildner, damit das Ganze nicht ständig durch die Finger rinnt und auf dem Kopf bleibt. Mit ein bisschen Zeit und einem guten Rezept kann man so etwas auf Basis einer Seifenlösung auch selbst herstellen. Alles was sonst noch in herkömmlichen Shampoos ist – Pflege, Duft und Farbe – könnt ihr nun vollkommen frei hinzumischen. Eure Haare sind immer furchtbar trocken? Gebt einen Schuss Olivenöl dazu. Ihr wolltet schon immer nach indischem Weihrauch duften, aber es gab kein solches Shampoo auf dem Markt? Kein Problem, das ätherische Öl gibt’s in der Apotheke. Ihr wollt etwas gegen eure Schuppen tun? Birkenblätterextrakt (selbst gemacht oder ebenfalls aus der Apotheke) ist das Mittel der Wahl. Wenn ihr euch also einmal einen Vorrat an Basisshampoo zugelegt habt, könnt ihr damit tausend verschiedene Varianten ganz nach eurem Haartyp und Geschmack zaubern. Einfach, schnell und Schwimmbadtauglich.

Quellen:
Cartwright-Jones, Catherine: Henna for Hair: „How To“. Kostenloses E-Book von www.tapdancinglizard.com
Han, Kerstin: Eigene Erfahrung mit ‚Shampoo-Tuning‘.

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